SUCHE FRIEDEN UND JAGE IHM NACH! Psalm 34.15 (Jahreslosung 2019)

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Freundeskreis Ndolage                              Freundesbrief 2018

Dr. Frank Beier                                                                    Tiefenstr. 4

                                                                                              D-33824 Werther

                                                                                              SilkeFrankBdontospamme@gowaway.web.de

                                                                                              +49(0)5203-296971

                                                                                                                   im November 2018

Liebe Freundinnen und Freunde Ndolages!

 

Vor wenigen Tagen kamen die OP-Schwester Meike Mellmann und der Unfallchirurg Dr. Guido Hafer aus Ndolage zurück. Sie arbeiten in einem Verein in Osnabrück mit, der die ehrenamtliche Unterstützung afrikanischer Krankenhäuser durch Mitarbeitende im deutschen Gesundheitssystem organisiert. Aus dem 220 Betten Krankenhaus in Trägerschaft der Evangelisch-Lutherischen Kirche brachten sie uns von der Hochfläche mit Blick auf den Viktoria-See die Geschichte des 8 jährigen Evodius (Name geändert).

 

Evodius leidet an einer Erkrankung, die wir in dieser ausgeprägten Form glücklicherweise nur aus alten Lehrbüchern kennen. Besonders bei Kindern kann es im Rahmen einer Infektion zu einer Mitbeteiligung der Knochen, einer „hämatogenen Osteomyelitis“, kommen. Zunächst haben die Kinder nur sehr starke Knochenschmerzen, die auf dem Dorf niemand richtig einordnen kann. Vielleicht erfolgt dann noch eine Behandlung mit Schmerzmitteln oder bei gleichzeitigem Fieber wird an Malaria gedacht. Die richtige Behandlung wäre eine hochdosierte Antibiotikatherapie vom ersten Tag an, eventuell ergänzt durch ein Aufbohren des Knochens. Wenn dieses nicht erfolgt, stößt sich langsam der Knochen durch die Haut ab und muss entfernt werden. Glücklicherweise bildet der Körper Ersatzknochen, der die Stabilität wieder herstellt, jedoch kann es das ganze Leben lang wieder zum Aufflackern der Entzündung kommen.

 

Evodius mit Meike Mellmann vor der hoffentlich letzten Operation

 

Zusätzlich zu der Erkrankung hat Evodius das Pech, dass sich seine Eltern nicht um ihn kümmern. Er wird nun schon fast ein Jahr in Ndolage behandelt. Seine Tante unterstützt ihn nach Kräften. Erst dank der Unterstützung durch Spenderinnen und Spender aus Deutschland konnte ihm die Behandlung ermöglicht werden. Nach einem letzten Eingriff besteht nun die Chance, dass er bald in den Alltag zurückkehren kann.

 

Insgesamt waren die Beiden von der guten Atmosphäre und der Qualifikation des Personals beeindruckt. So wusste im OP jeder genau, was ihre oder seine Aufgabe war. Sie hatten die Möglichkeit zuzusehen, als Dr. Lolwako, der nie die Möglichkeit hatte, eine Facharztqualifikation zu erwerben, einige Operationen durchführte. Als Fachleute berichteten sie, dass diese Operationen keinen Vergleich mit Deutschland scheuen müssten.

 

Besonders erfreulich war ihr Bericht, da es in der letzten Zeit in Ndolage einige Probleme gab. Der Geldmangel in der Gegend, deren Einwohner sich hauptsächlich durch kleine Landwirtschaft am Leben erhalten, führt immer noch dazu, dass viel zu wenig Geld da ist, um die Gehälter zu bezahlen. Der Chefarzt, der Chirurg Dr. Byabato, und seine Schwester, die Kinderärztin Dr. Kabibi, haben sich eine neue Wirkungsstätte gesucht und der noch junge Verwaltungsleiter hat das Hospital für ein längeres Studium verlassen. An leitendem Personal noch übrig geblieben sind die neue Chefärztin, die sehr engagierte energiegeladene Gynäkologin Dr. Kafuruki, der Augenarzt Dr. Emmanuel Rwabukambwe und der oben erwähnte Dr. Lolwako, der aus dem Kongo stammt und von der Vereinten Evangelischen Mission nach Ndolage gesendet wurde.

 

Dr. Lilian Kafuruki

 

Besonders positiv für das Krankenhaus ist der neue Verwaltungsleiter zu bewerten. Pastor Richard Rubenge, der gleichzeitig auch studierter Jurist ist, kennen wir schon seit 15 Jahren. Er zählt zu den Menschen, die ohne großes Aufheben um ihre eigene Person zu machen, eine grundsolide Arbeit leisten.  Da er mit Witness Lwamulege, der langjährigen Koordinatorin unseres Projektes, verheiratet ist, möchte ich die Familie hier einmal vorstellen.

 

Wir lernten die Krankenschwester Witness Ende 2002 kennen, als sie von einem einjährigen Aufenthalt in Paderborn zurückkam. Als bald darauf der Aufbau eines Projektes zur medikamentösen Behandlung von HIV-infizierten Menschen anstand, beauftragte die Krankenhausleitung sie mit der Leitung dieses Projektes. Mich beeindruckte damals besonders ihre zurückhaltende freundliche, in der Sache sehr konsequente  Art, mit der sie alles Notwendige bei den Behörden regelte. An ihrem sehr sorgsamen Umgang mit Spendenmitteln sah man auch, dass sie in Deutschland gesehen hatte, woher die Gelder kommen. Mehr dazu können Sie im Archiv unserer Homepage unter „Backsteine statt Tabletten“ lesen.

 

Vor 14 Jahren heiratete sie den Theologen Richard. Leider musste die Trauung einen Monat auf Grund eines tragischen Ereignisses in der Familie verschoben worden. Die Schwester von Richard, die mit ihrem Mann in einer abgelegenen Gegend wohnte, starb nach der  Geburt. Die Zwillinge wurden selbstverständlich von Richard und Witness aufgenommen und wachsen zusammen mit den anderen Kindern der Familie auf.

       

                                                           Witness und Richard

 

Während eines Besuches in Ndolage 2010 erfuhren wir, dass Witness nun neben der Leitung einer Klinik für HIV-infizierte mit über 1000 Klienten auch noch die Koordination des PPF übernehmen sollte. Auch wenn wir uns niemand Besseren für diese Position vorstellen konnten, machte uns doch das hiermit verbundene Arbeitspensum ernsthafte Sorgen. Aber wir wurden eines Besseren belehrt.

 

Nach den Jahren, in denen Richard im über 1000 km entfernten Makumira Jura studierte, ist es für die beiden ein Segen, dass sie nun als Familie in Ndolage zusammenleben dürfen. Auch ist es so für sie viel einfacher, die Schulausbildung ihrer Kinder zu finanzieren. Richard schreibt, dass es sein Hobby sei, Kühe zu halten, aber danach rechnet er gleich vor, dass die kleine Landwirtschaft, die sie betreiben, die Schulgebühren für ein Kind erbringen kann. Auch beide Gehälter zusammen reichen dafür nicht.

 

  

Witness mit ihrer Kuh

 

In den letzten Jahren hat es in Tansania eindrucksvolle Fortschritte im Gesundheitswesen gegeben. Dadurch, dass viele Eltern sehr viel in die Ausbildung ihrer Kinder investieren, gibt es immer mehr qualifiziertes Personal, der Staat investiert viel in den Aufbau einer flächendeckenden Gesundheitsvorsorge, durch Privatinitiative entstehen Gesundheitsstationen, und auch die Vernetzung mit vielen Partnerorganisationen in Übersee trägt Früchte. Somit sind glücklicherweise die Zeiten vorbei, in denen es für Schwerkranke keine Alternative zu Ndolage in der von 2.500.000 Menschen bewohnten Kagera-Region im Nordwesten Tansanias gab. Trotzdem ist Ndolage weiterhin ein unverzichtbarer Anlaufpunkt für viele Menschen, besonders aus dem direkten Einzugsgebiet von 65.000 Einwohnern. Dieses liegt besonders an der vergleichsweise guten ärztlichen Besetzung.

 

Es gibt in Ndolage weiterhin eine Schule für Krankenpflege mit zusätzlicher Hebammenausbildung und eine Schule für Hilfsärzte („Clinical Officers“).

 

Trotz Unterstützung durch den Staat und internationale Partner wie der Vereinten Evangelischen Mission muss das Hospital Gebühren von den Patienten erheben, die gerade die Ärmsten daran hindert, zur Behandlung zu kommen. Um diesen Missstand zu beenden, haben wir seit 2003 gemeinsam mit der Krankenhausleitung und der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) den Poor-Patient-Fund (PPF) aufgebaut. Von Anfang an hat unser Projekt  seinen Schwerpunkt auf Neugeborene und Kleinkinder unter 5 Jahre gesetzt, eine Gruppe, die am meisten durch todbringende Krankheiten gefährdet ist. Immer noch sterben viele Kleinkinder an einer Durchfallerkrankung oder einer  Malaria und der daraus  resultierenden Blutarmut.  Dank Ihrer Spenden ist es schon seit 15 Jahren fest im Bewusstsein der Bevölkerung um Ndolage verankert, dass jedes Kind für einen kleinen Eigenbeitrag (zurzeit weniger als 2,- Euro) behandelt wird. Den Rest zahlt der PPF. Wenn das Kind so schwer krank ist, dass eine stationäre Aufnahme erforderlich wird, sind es im Durchschnitt 28,- €, wenn eine ambulante Behandlung ausreicht, beträgt Anteil aus Spendengeldern 4,10. Bedürftige Erwachsene werden nach einer Einzelfallprüfung unterstützt. Die später mit in das Projekt aufgenommenen Schwangeren müssen für eine Entbindung 10.000,- tansanische Schillinge, also 3,80 € zahlen, wenn ein Kaiserschnitt notwendig ist verdoppelt sich der Betrag. Hier beträgt der Zuschuss knapp 50,- €.     

Im letzten Jahr konnten wir so 1981 Menschen eine Behandlung ermöglichen. Die Zahl der Kleinkinder, die so schwer erkrankt waren, dass sie stationär aufgenommen werden mussten, betrug 1130. Es wurden 362 Kinder ambulant und 15 weitere Kranke behandelt. Während die meisten Mütter zu Hause oder in kleineren Gesundheitsstationen entbinden, konnten wir 474 Mütter unterstützen, ihr Kind im sicheren Umfeld des Krankenhauses zur Welt zu bringen. Meistens handelte es sich um Risikoschwangerschaften. In 198 Fällen war ein Kaiserschnitt erforderlich.

 

Wie ich in den letzten beiden Freundesbriefen, die auf unserer Homepage aufgerufen werden können, ausführlich erläutert habe, hatte die Aufnahme der Schwangeren in das Projekt, die aus Gründen der Menschlichkeit unbedingt erforderlich war, uns finanziell deutlich überfordert. So hat das Krankenhaus zunächst lange Zeit ohne Bezahlung die Mütter behandelt. Eine dann unvermeidliche Erhöhung des Eigenanteils der Mütter hat zu einem deutlichen Rückgang der Zahlen geführt und viele Kinder kamen wieder im Dorf unter problematischen Bedingungen zur Welt. Erst durch ein Erbe von über 100.000,- € konnte die finanzielle Situation wieder ausgeglichen werden.

 

Durch den oben erwähnten Weggang des Chefarztes kam es zu einer Zeit der Führungslosigkeit in Ndolage, so dass erst im diesem September wieder der Eigenanteil besonders für die Schwangeren gesenkt wurde. Hierdurch erklären sich die im Vergleich zu den Vorjahren geringeren Patientenzahlen. In der nächsten Zeit ist wieder mit einer deutlichen Zunahme zu rechnen.

 

Weiterhin ist folgendes berichtenswert:

 

Im März fand bei der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal ein Runder Tisch zu Ndolage statt.  50 Menschen aus allen Teilen von NRW kamen, um mit dem Bischof über die weitere Unterstützung für Ndolage zu beraten. Für Ndolage problematisch ist die Tatsache, dass die örtliche Kirche momentan andere Schwerpunkte setzt. So wurden viele Energien in den Aufbau einer Universität zur Lehrerausbildung gesetzt, die jetzt aber durch Schulden in ihrer Existenz bedroht ist. Langfristig ist nicht abzusehen, inwieweit der Staat weiterhin kirchliche Hospitäler unterstützen wird. Bei dem letzten Treffen unseres Freundeskreises war aber für uns alle klar, dass unsere Freundinnen und Freunde vor Ort in jedem Fall unsere Unterstützung benötigen werden und wir deshalb auch weiter machen, wenn sich grundlegende Dinge ändern werden. Als überschaubare Gruppe mit vielen persönlichen Kontakten nach Ndolage können wir stets flexibel auf die aktuelle Situation reagieren.

 

Dank des großen Einsatzes vieler Menschen gelang es uns, im letzten Jahr das Spendenaufkommen  zu steigern. Auf dem Konto der VEM gingen im letzten Jahr 74.902,35 € ein. Hinzu kam ein Erbe von 119.720,44 €. Im ersten Halbjahr 2018 wurden bereits wieder 49.235,92 € gespendet. Bei der

 

 

Gesund und sicher in Ndolage zur Welt gekommen                               Warten auf die Behandlung

 

 

Durchsicht der Spenderlisten ist für mich immer wieder die breite Basis der Unterstützung sehr erfreulich. Manche Menschen sind schon seit Anfang an mit einem Dauerauftrag dabei, andere spenden regelmäßig jährlich oder sammeln anlässlich von familiären Anlässen. Wichtig sind auch die Kollekten von Kirchengemeinden. Die Mitarbeitenden des Krankenhauses St. Johannisstift in Paderborn haben die Möglichkeit, zugunsten von Ndolage auf Centbeträge in ihrer Lohnabrechnung zu verzichten. Die Sternsinger in Werther haben dieses Jahr 8.330.05 gesammelt, die vom Kindermissionswerk auf 9.000,- „aufgerundet“ wurden.

 

Auch im Namen aller in Ndolage bedanke ich mich für die großzügige Unterstützung und wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit!

Dr. Frank Beier

 

 

Die aufwändige Spendenbuchhaltung übernimmt für uns die Vereinte Ev. Mission :Konto: Vereinte Ev. Mission, SWIFT/BIC: GENO DE D1 DKD,  IBAN:  DE45 3506 0190 0009 0909 08, Verwendungszweck: Ndolage-PPF und komplette Adresse für die Spendenbescheinigung (Wenn die Adresse nicht unter „Verwendungszweck“ steht, wird sie nicht übermittelt!) PS: Daueraufträge geben uns eine größere Planungssicherheit. Sollte eine planmäßige Verwendung der Spendengelder nicht möglich sein, werden sie von der VEM für ähnliche Projekte verwendet.

Kontakte: Krankenhauszentrale: elctndolage@yahoo.com

Koordinatorin PPF, Frau Witness Lwamulege: elctnwdppfdontospamme@gowaway.yahoo.com,   richardbabilidontospamme@gowaway.gmail.com

Verwaltungsleiter Ndolage: Pastor Richard Rubenge, rrrubengedontospamme@gowaway.gmail.com

Dr. Frank Beier: SilkeFrankBdontospamme@gowaway.web.de , Tiefenstr. 4, D-33824 Werther, Tel. 05203-296971

Homepage Freundeskreis Ndolage: www.freundeskreis-ndolage.de

Informationen zur Vereinten Evangelischen Mission: www.vemission.org